Beziehung beenden – Sollte ich mich von meiner Partnerin trennen?

Eine Partnerschaft ist per Definition eine Zweierbeziehung, eine ebenso soziale wie sexuelle Gemeinschaft.
Es gibt verschiedene Formen von Partnerschaften. Ein gemeinsamer Haushalt ist heutzutage nicht mehr unbedingt Voraussetzung, um eine glückliche Partnerschaft zu führen. Auch Partnerschaften in Form von Fernbeziehungen sind möglich.

Historisch betrachtet ist das Beenden von Partnerschaften relativ neu und erst mit der Einfügung der sogenannten „Zivilehe“ möglich. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist jedoch auch in der Gegenwart nicht unbedingt gegeben.

Es mag sein, dass über den Mann, der sich aus gutem Grund zur Trennung entschlossen hat, getratscht wird: „Jetzt hat der doch seine Frau im Stich gelassen.“ Dennoch gibt es triftige Gründe, sich von der Partnerin zu trennen und diese muss man nicht öffentlich machen. p>

Warum trennen?

In der Regel sucht man sich eine Partnerin, um das individuelle Glück zu festigen. Eine Partnerschaft sollte bereichern. Sicherlich gibt es auch in der besten Beziehung unschöne Momente. Dass zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, ist unmöglich und das ist auch gut so.

Schließlich braucht man keine Partnerin, die eine Kopie des eigenen Ichs ist. Abgesehen davon ist statistisch erwiesen, dass eine stabile Partnerschaft die Zufriedenheit stärkt und sich positiv auf die Gesundheit auswirkt.

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Wichtig: Beratung einholen!
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Sollten sich die unschönen Momente jedoch verfestigen, eine kommunikative Lösung nicht in Sicht, dafür aber chronische Unzufriedenheit an der Tagesordnung sein, stellt man sich früher oder später die Frage, ob es nicht besser wäre, sich von der Partnerin zu trennen.

Keine Diskussion sollte es geben, wenn eine der folgenden Möglichkeiten zutrifft:

  • Gewalt ist im Spiel.
  • Die Lebensziele sind unvereinbar.
  • Die Partnerin hat keine Achtung vor mir. Alternativ: Ich habe die Achtung vor meiner Partnerin verloren.

Eine Partnerschaft fortzuführen, wenn eine der genannten Möglichkeiten zutrifft, ist unmöglich. Trennung ist zwar ein gewaltiger und schmerzhafter Einschnitt, aber in den genannten Fällen die bessere Möglichkeit, dennoch muss man differenzieren.

Gewalt in der Partnerschaft

Gewalt ist zweifelsohne das Schlimmste, was in einer Beziehung geben kann und es gibt auch körperliche Gewalt von Frauen gegen Männer. Dieses ist nicht hinzunehmen! Es ist unmöglich, dass derartige Vorfälle von der Gesellschaft teilweise ins Lächerliche gezogen werden.

  • Die Trennung ist in diesem Fall vermutlich besonders schwierig, weil weitere Vorfälle und Übergriffe zu befürchten sind. Außerdem ist Angst ein Selbstläufer.
  • Wichtig ist, dass man sich Unterstützung sucht. Das können persönliche Netzwerke oder Selbsthilfegruppen sein.
  • Auch ein Therapeut kann eine Stütze sein. In akuten Fällen hilft die Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes, schnell einen Therapeuten zu finden.

Psychische Gewalt ist nicht weniger schwerwiegend, aber schwerer nachweisbar. Auch in diesem Fall sollte man sich oben erwähnte Unterstützung suchen. Als letzten Rettungsanker kann man der Partnerin eine Paartherapie anbieten, sofern beide dafür offen sind. In Familienzentren und Begegnungsstätten gibt es oftmals kostenfreie, teils sogar anonyme Angebote.

Unvereinbare Lebensziele und Werthaltungen

Das klassische Beispiel ist in diesem Fall der Kinderwunsch. Wenn du oder deine Partnerin partout keine Kinder haben möchten, aber für einen von euch Kinder einfach zu einer Partnerschaft dazugehören, ist Trennung die einzige Alternative.

  • Man kann und sollte niemanden zu einem Kind überreden, abgesehen davon, dass man nie weiß, ob es mit der Umsetzung des Kinderwunsches klappt. Es gibt viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.
  • Natürlich kann die moderne Medizin helfen, aber auch das hat Grenzen. Wenn Alternativen wie Adoption, Pflegekind oder Leben ohne Kinder nicht attraktiv für dich oder deine Partnerin sind, bleibt auch in diesem Fall die Trennung die einzige Möglichkeit, den Lebenszielen treu zu bleiben.

Das ist zwar besonders schmerzhaft, aber Trennung ganz ohne Schmerz ist wohl so gut wie unmöglich.

Wenn die Partnerin andere Vorstellungen vom Zusammenleben hat und einem anderen Rollenmodell folgt, dass nicht deinem entspricht, wird es ebenfalls schwierig. Man kann aus einer Hausfrau, sofern sie es nicht selber will, keine Karrierefrau machen oder umgekehrt.

Auch die klassische „Stubenhockerin“ wird sich wohl eher nicht zu einem Abenteuerurlaub überreden lassen. Sicherlich gibt es hier viel kommunikativen Spielraum, aber wenn die Vorstellungen vom Leben zu verschieden sind, wird es schwierig und das Aufrechterhalten der Partnerschaft um jeden Preis ist falsch. Das würde an Selbstaufgabe grenzen.

Auch unterschiedliche religiöse Ansichten sind konfliktlastig. Wenn es an gegenseitiger Toleranz and Akzeptanz mangelt, wäre es besser, eine neue Partnerin mit ähnlichen Ansichten zu wählen. Dieses sollte jedoch zu Beginn einer Beziehung geklärt werden, denn grundlegende Werthaltungen ändern sich selten. Es sei denn die Partnerin ist durch Verkettung unglücklicher Umstände in eine Sekte geraten, doch dann braucht sie Unterstützung und vorschnelle Trennung wäre falsch und fatal.

Fehlende Achtung in der Partnerschaft

In der Phase des Kennenlernens will man oft die Schattenseiten der Partnerin meist nicht sehen. Wenn sich die liebenswerte Chaotin als Messie outet oder die Frau mit dem scheinbar gesunden Selbstbewusstsein in Wahrheit an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet, eröffnen sich Abgründe.

  • Die Achtung vor der Partnerin geht verloren. Die Trennung von einem Narzissten oder einer Narzisstin ist bekanntlich besonders schwer, aber es gibt Selbsthilfegruppen.
  • Natürlich kann es dem Betroffenen auch helfen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber dies setzt voraus, dass man sich das Defizit eingesteht. Sollte es an dieser Fähigkeit mangeln, bleibt die Trennung leider der einzige Ausweg.

Niemand muss sich vom Partner öffentlich (oder nicht-öffentlich) demütigen, anschreien oder herunterputzen lassen. Sicherlich ist dies im Affekt möglich und menschlich. Wir sind alle aus gegebenem Anlass einmal wütend, aber wenn dies gehäuft passiert, die Partnerin nicht versteht wie sehr man dadurch verletzt wird, ist die Trennung als Konsequenz legitim. Leider sind die wenigsten impulsiven Menschen so reflektiert veranlagt, dass sie ernsthaft an sich arbeiten können.

Untreue und fehlende körperliche Nähe

Für viele ist dies der einzig unabdingbare Trennungsgrund, aber ich habe es bewusst nicht an die erste Stelle gesetzt. Was bedeutet „Untreue“? Fängt Untreue beim Flirt oder Seitensprung an, bei der Affäre oder schon viel eher?

  • Eine Antwort auf die Frage gibt es nicht, nur ganz persönliche Einstellungen zum Thema. Sicher gibt es sogenannte „offene Beziehungen“, aber falls man einen Seitensprung nicht verzeihen kann und weiß, dass man dies der Partnerin auch in zwanzig Jahren noch nachtragen würde, sollte man sich eine Frau suchen, die nicht zur Untreue neigt.
  • Umgekehrt gilt das Gleiche: wenn die Partnerin dir ständig den kleinen unbedeutenden Seitensprung oder deine Neigung zum Flirten vorhält, musst du entscheiden, ob du mit den Vorwürfen und dem ständigen Misstrauen leben kannst.

Letztlich steht hinter der Untreue, dass das Vertrauen zerstört wurde und das ist in einer Partnerschaft eine unabdingbare Voraussetzung. Hinzu kommt, dass Untreue immer Gründe hat. Wenn es in einer Partnerschaft an körperlicher Nähe und Zuwendung sowie an Sexualität mangelt, kann man kaum noch von einer Paarbeziehung reden und es entsteht Frust.

In der DDR soll übrigens unzufriedenstellende Sexualität der triftigste Grund gewesen sein, sich schnell scheiden lassen zu können.

Auch wenn es immer noch üblich ist, die Rolle der Sexualität als „nicht so wichtig“ herunter zu spielen, sollte man in sich hören, ob das wirklich so ist. Vermisst man vielleicht etwas und nimmt die Fantasie überhand? Unterschiedliche Vorstellungen sollten zwar nicht gleich ein Trennungsgrund sein, aber man sollte unbedingt mit der Partnerin über entsprechende Wünsche reden können und im Gegenzug bereit sein zuzuhören.

Rahmenbedingungen und mögliche Konsequenzen

Je enger und vielschichtiger die Verknüpfungen in einer Partnerschaft sind, desto schwerer sind Trennungen.

Bei getrennten Single-Haushalten, gegebenenfalls verschiedenen Wohnorten, ist mit wenig praktischen Schwierigkeiten zu rechnen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Trennung emotional auf die leichte Schulter genommen wird, aber letztlich ist das die einfachste aller möglichen Rahmenbedingungen und man kann sich eine gesunde Portion Egoismus leisten.

Trennung bei gemeinsamen Kindern

  • Schwieriger wird es in einem gemeinsamen Haushalt mit gemeinsamen Kindern. Sofern man verheiratet war, kommt erschwerend juristisches Prozedere hinzu und man muss sich abgesehen von materiellen und emotionalen auch auf finanzielle Verluste einstellen.
  • Auch das Verhältnis zu den Kindern kann sich problematisch entwickeln.
  • Vorab-Gespräche mit einem Anwalt für Familienrecht oder einem Familientherapeuten sollten wahrgenommen werden.

Zusammen bleiben aufgrund der Kinder?

Es gibt immer eine sozialverträgliche Lösung, sofern sich beide Partner menschlich und rational verhalten, soweit das möglich ist. Nur der Kinder wegen zusammenzubleiben, ist keine Lösung.

Außerdem geht es um Trennung von der Partnerin, nicht um Trennung von den Kindern. Der Vater bleibt man auch im Falle einer Trennung und das ist die wichtigste Herausforderung, der man sich stellen muss.

  • Ebenfalls schwierig wird es, wenn man von der Partnerin wirtschaftlich abhängig ist. Es mag sein, dass der Hausmann nur eine Chance hat, seine Partnerin zu verlassen, wenn er vorübergehend bei Bekannten oder Verwandten wohnen kann.
  • Ohne den Worst-Case auszubauen, sollte man daher präventiv stets soziale Netzwerke pflegen, nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch um der Einsamkeit des erneuten Single-Daseins besser begegnen zu können.

Ähnlich schwierig ist es, wenn man mit der Ex-Partnerin weiter gemeinsam arbeiten muss, eventuell eine gemeinsame Firma hat. Hier hilft nur eine rationale Herangehensweise, dass man (gegenseitig) versucht, die ehemalige Lebenspartnerin als kompetente Geschäftspartnerin zu sehen und dies zu kommunizieren, um dem Verlust der Existenz entgegenzuwirken.

In der Hoffnung, dass die Ausführungen nicht als Plädoyer zum vorzeitigen Beenden der Partnerschaft interpretiert werden, komme ich zu der Schlussfolgerung, dass man in Anbetracht dessen, dass man nur ein Leben hat, die Trennung von der Partnerin als Option nicht generell ausschließen sollte.

Nichts desto trotz sollte man sich jedoch unbedingt den Vorzügen einer stabilen Partnerschaft bewusst sein und aufkommende Schwierigkeiten rechtzeitig thematisieren, anstatt diese totzuschweigen bis es zu spät ist.

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